Altersteilzeit



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Wer mit dem Gedanken spielt, seinen/ ihren letzten Abschnitt der Erwerbsarbeit zeitlich „aufzulockern“, kann sich hiermit informieren, was Altersteilzeit heißt, welche Voraussetzungen erforderlich und welche Faktoren dafür relevant sind.
VORAUSSETZUNGEN:

  • Mindestalter derzeit: Frauen: 53 Jahre, Männer: 58 Jahre (=7 Jahre vor dem Regelpensionsalter). AUFPASSEN: Seit 1. Jänner 2015 wird die ATZ nur mehr 5 Jahre lang bezahlt. Wer als schon 7 Jahre vor dem Regelpensionsalter in ATZ gehen möchte, sollte sich mit Arbeitgeber vorher einigen, in welchen Anstellungsausmaß er/sie nach der ATZ wieder arbeiten kann (oder mit Abschlägen in Pension gehen). Es ist daher eher anzuraten, die ATZ erst 5 Jahre vor dem Regelpensionsalter anzustreben. Wer nach der ATZ in Pension geht, bekommt die Abfertigung in voller Höhe. Wer noch zwei Jahre überbrücken will, muss bedenken, dass ein geringeres Beschäftigungsaumaß auch die Höhe der Abfertigung schmälert.
  • Einvernehmliche Vereinbarung mit dem Dienstgeber, es besteht kein Rechtsanspruch darauf
  • 15 Versicherungsjahre in den letzten 25 Jahren (arbeitslosenversicherunspflichtige, keine geringfügigen); Kindererziehungszeiten werden angerechnet
  • Die finanziellen Einbußen sind geringer, als das tatsächlich reduzierte Beschäftigungsausmaß ausmacht, weil das AMS für die Hälfte des Verdienstentgangs aufkommt. Bsp.: Wer von 100% auf 50% ATZ reduziert, erhält weiterhin 75% seines bisherigen Bruttoeinkommens. Abfertigung und Pensionshöhe verändern sich durch ATZ nicht.
  • Die aktuelle Arbeitszeit darf 1 Jahr vor dem Beginn der ATZ nicht unter 60% der kollektivvertraglichen Arbeitszeit liegen(muss also mind. 22,8 Std. betragen) und das Beschäftigungsausmaß muss um 40-60% reduziert werden.

Bsp.: Wer Vollzeit (38 Std.) arbeitet, kann in der ATZ mind. 15,2 Std., max. 22,8 Std. arbeiten. Wer Teilzeit arbeitet (z.B.75%, also 28,5 Wochenstunden), kann in der ATZ auf mind. 11,4 Std. und  max. 17,1 Std. reduzieren

  • Grundsätzlich gibt es bei der ATZ 2 verschiedene Modelle, wobei das Modell der Blockzeitvereinbarung (bei Red. der Arbeitszeit um z.B. 50% wird die erste Hälfte der ATZ voll weitergearbeitet und die 2. Hälfte als Freizeitphase konsumiert) im Diakoniewerk nur in Ausnahmefällen umgesetzt wird, weil der vom AMS nicht mehr abgegoltene Dienstgeberanteil nicht finanzierbar ist. Das 2. Modell, die kontinuierliche Arbeitszeitvereinbarung, kann durchaus Schwankungen der Arbeitszeit beinhalten, diese müssen sich aber innerhalb eines Jahres wieder ausgleichen. Die ATZ muss nicht bis zum frühestmöglichen Pensionsantrittsalter dauern, sie kann mit dem DG beispielsweise auch nur für 1 Jahr vereinbart werden.
  • Im Rahmen der ATZ wurden bisher Männer gezwungen, ab dem 62. Lebensjahr die Korridorpension (mit Abschlägen) in Anspruch zu nehmen, auch wenn nur wenige Monate später der Zugang in eine abschlagsfreie Hacklerpension möglich gewesen wäre.

WEITERS INTERESSANT:
Neu ist nun, dass Männer mit Korridorpensionsanspruch auch über die Vollendung des 62. Lebensjahres hinaus (längstens bis zum 63. Geburtstag) eine Altersteilzeitvereinbarung abschließen können. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn in diesem Jahr die notwendige Versicherungszeit für eine Hacklerpension erreicht wird, sodass nach der Altersteilzeit eine abschlagsfreie Pension bezogen werden kann.
Im Rahmen der nur für Männer möglichen Korridorpension kommt es nämlich zu einem Abschlag von 2,1 % pro Jahr – somit kann sich daraus ein Pensionsminus von bis zu 6,3 % ergeben. Demgegenüber steht die Hacklerpension abschlagsfrei zu. Bei Inanspruchnahme der Korridorpension mit dem 63. Geburtstag reduziert sich der Abschlag auf 4,2 %
Vorteile der Altersteilzeit:
Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber profitieren von der Altersteilzeitregelung.
Für den Arbeitnehmer hält sich die finanzielle Einbuße in Grenzen, weil er sein Entgelt nicht nur für die verringerte Arbeitszeit erhält, sondern auch für die Hälfte des Verzichts. Das heißt, bei einer Verringerung der Arbeitszeit um 50% erhält der Arbeitnehmer 75% seines bisherigen Bruttoeinkommens bei vollen Versicherungsleistungen.
Für den Arbeitgeber gibt es die Möglichkeit, einen Teil seiner Mehrkosten als “Altersteilzeitgeld” vom Arbeitsmarktservie rückerstattet zu bekommen.
Erkrankung während der Altersteilzeit:
Wenn Sie die Altersteilzeit blocken, erwerben Sie nach Rechtsauffassung des Obersten Gerichtshofes während der Vollarbeitsphase nur entsprechend dem Ausmaß der Entgeltfortzahlung Zeitguthaben für die Freizeitphase. Bei Erkrankung in der Arbeitsphase ist für Zeiten der 100%-igen (50%-igen) Entgeltfortzahlung der eingearbeitete Teil der Freizeitphase in vollem (halbem) Umfang gesichert. Für entgeltfreie Zeiten wird kein Zeitguthaben gut geschrieben.
Auch während der Altersteilzeit erhält der Arbeitnehmer während der Entgeltfortzahlung sein Entgelt vom Arbeitgeber – zunächst Vollentgelt und dann Teilentgelt. Nach der Entgeltfortzahlungspflicht erhält der Arbeitnehmer Krankengeld von der Krankenkasse. Besteht gegenüber dem Arbeitgeber noch ein Anspruch auf halbes Entgelt so gebührt auch halbes Krankengeld von der Krankenkasse.
Kann ich während der Altersteilzeit gekündigt werden?
Im Prinzip ja. Aber eine Kündigung, die wegen einer beabsichtigten oder tatsächlich in Anspruch genommenen Herabsetzung der Normalarbeitszeit ausgesprochen wird, kann bei Gericht als Motivkündigung angefochten werden. Außerdem wäre auch die Anfechtung der ausgesprochenen Kündigung hinsichtlich der Sozialwidrigkeit zu prüfen.
Gibt es Einbußen bei der Abfertigung?
Nein. Die Abfertigung wird auf Basis der Arbeitszeit vor der Herabsetzung der Normalarbeitszeit berechnet. ABER: Wenn (siehe ganz oben) nach der ATZ noch gearbeitet werden muss (es sei denn, mann geht mit Abschlägen in Pension), dann kann sich das neuerliche Anstellungsausmaß auf die Abfertigung auswirken.
Kann ich auf eine Altersteilzeit-Vereinbarung bestehen?
Grundsätzlich ist Altersteilzeit mit dem Arbeitsgeber schriftlich zu vereinbaren bzw. von diesem zu genehmigen. Das heißt, die Altersteilzeit kann auch verweigert werden. Einen Rechtsanspruch hat nur der Arbeitgeber gegenüber dem AMS auf die Förderung des Altersteilzeitgeldes, sofern er bestimmte Auflagen erfüllt.
WIE KOMME ICH NUN ZUR ALTERSTEILZEIT?

  1. bei der PVA (=Pensionsversicherungsanstalt) den frühestmöglichen Pensionsantrittstermin erfragen
  2. Gespräch mit dem/der Vorgesetzten um abzuklären, ob und wie die ATZ in Anspruch genommen werden kann
  3. Vereinbarung mit dem Personalbüro